09.11.2020
Betreff: Antrag zur Anschaffung von Luftreinigern für alle Klassenräume

 

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,


die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Gescher beantragt aus dringlichen Gründen kurzfristig folgenden Beschluss zu fassen: 


Die Verwaltung wird mit der Prüfung und nachfolgend Umsetzung beauftragt für alle Klassenräume schnellstmöglich Luftreiniger anzuschaffen. Die hierbei anfallenden Kosten sollen durch überplanmäßige Ausgaben finanziert werden

Begründung: Die mittlerweile täglich neue Höchststände erreichenden Fallzahlen an durch Covid-19 erkrankten Personen besorgen uns alle. Um der aktuellen Situation zu begegnen und den Schulbetrieb aufrechterhalten zu können ist es derzeit gängige (und empfohlene) Praxis, als Schutzmaßnahme gegen Aerosole alle 20 Minuten für 5 Minuten auf Stoß zu lüften.

Mit den jetzigen Wetterverhältnissen mag dieses noch vertretbar sein, jedoch müssen wir schon jetzt den anstehenden Wetter- und Temperaturumschwüngen begegnen – denn, sofern eingetreten stößt das Lüften als Schutzmaßnahme gegen Aerosole an Grenzen. Generell hilft Lüften nur dann, wenn eine Windbewegung im Raum vorherrscht, also wenn es im Volksmund “zieht”. Sofern dieses nicht der Fall ist reduziert sich lediglich die Temperatur im Raum, ein Austausch findet nicht bis kaum statt. 

Wir sind der Ansicht, dass alles getan werden muss, was aus gesundheitlicher Sicht für alle Beteiligten notwendig, technisch möglich und sinnvoll ist. So besteht alternativ die technische Möglichkeit, die Konzentration von Viren und Bakterien in Räumen durch raumluftreinigende Anlagen zu senken. Es gibt Anlagen und Gerätschaften, die die Viren- und Bakterienlast auch in größeren Räumen sehr kurzfristig drastisch um bis zu 90% zu reduzieren vermögen. In Kombination mit gezieltem Lüften zur Umwälzung der üblichen Anreicherung von Kohlendioxid (CO2), Luftfeuchte und teils geruchsaktiven Substanzen ergibt sich hieraus eine für die Schüler- und Lehrerschaft sicherere und annehmbarere Lösung als das reine Lüften.

Verweisen möchten wir in diesem Zusammenhang auf eine Studie1 der Goethe-Universität von Anfang Oktober diesen Jahres bzw. der korrespondierenden wissenschaftlichen Publikation2. Atmosphärenforscher konnten in der Studie ermitteln, dass in einem Klassenzimmer mit 27 Personen durch den Einsatz eines Luftreinigers mit HEPA- und Aktivkohlefilter bereits nach 30 Minuten Einsatz 90% der Aerosole aus der Luft entfernt worden seien. So heisst es in der darüber berichtenden Publikation laut des durchführenden Wissenschaftler Johannes Curtis:

 

„[…] Ein Luftreiniger reduziert die Menge an Aerosolen so stark, dass in einem geschlossenen Raum auch die Ansteckungsgefahr durch eine hoch infektiöse Person, einen Superspreader, sehr deutlich reduziert würde. Deshalb empfehlen wir den Schulen in diesem Winter den Einsatz von HEPA-Luftreinigern mit einem ausreichend hohen Luftdurchsatz.“

 

Uns sind in Aussicht gestellte Förderungsprogramme bekannt – leider beziehen diese sich jedoch nur auf den Aus- bzw. Umbau bestehender raumlufttechnischer Anlagen. Ungern möchten wir abwarten, ob perspektivisch auch mobile oder nachträglich eingebaute Lüftungsanlagen förderfähig sind oder sich Förderungsvoraussetzungen verändern.

Nach unserer Ansicht müssen wir jetzt, mit der aktuellen Brisanz, vorausschauend auf wechselnde und sich gewiss verschlechternde Wetterverhältnisse, aktiv werden. Diese ungeplanten Ausgaben sind allein schon mit der Verantwortung unseren Kindern und deren Bildung gegenüber unverzüglich notwendig.


Mit freundlichen Grüßen
Thomas Haveresch

 1 https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/studie-zeigt-luftreiniger-beseitigen-90-prozent-der-aerosole-in-schulklassen/

2 https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.10.02.20205633v2